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„INNCONTRO“ – Innsbruck hat ein neues Filmfestival

Internationales Filmfestival der Vielheit 16. und 17. November 2018 Leokino Innsbruck INNCONTRO, das Internationale Filmfestival der Vielheit, startet im November 2018 in die erste Runde und möchte den Austausch über Migration anregen. Auf dem Programm stehen neben Filmen auch Diskussionen, Gespräche, Konzerte, ein Poetry Slam und eine Installation. Der inhaltliche Schwerpunkt im Jahr 2018 liegt auf dem Themenkomplex „Frauen* und Migration“.

Das INNCONTRO – Filmfestival Innsbruck will sowohl einen Ort der Begegnung bieten als auch Raum für den Austausch über gesellschaftspolitische Fragen rund um Migration und ihre Rahmenbedingungen schaffen. Das bewegte Bild als Projektionsfläche für das Innere ermöglicht dabei eine besondere Form der Auseinandersetzung mit Fragen nach den Freuden und dem Leid, den Überraschungen und den Schwierigkeiten, die das Leben in einer neuen Heimat oder im Exil bedeuten kann. Dabei erleichtert das Medium Film die Identifikation mit den Protagonist*innen, Filmemacher*innen und ihren Erfahrungen, regt dazu an, Standpunkte zu hinterfragen und den Horizont für andere Weltanschauungen zu weiten. Einen besonderen Stellenwert erhalten im Rahmen des Festivals diskursive Elemente: Die gezeigten Filme sind stets eingebettet in Gespräche, Diskussionen oder Reflexionen zum Fokus „Frauen* und Migration“.

Entstanden ist die Idee zum ersten Internationalen Filmfestival rund um das Thema Migration in Tirol bereits 2010, als Kibidoué Eric Bayala, Soziologe und Filmemacher, ein Konzept dafür entwickelte: „Wir laden Kinobegeisterte zu einem Perspektivenwechsel ein, indem wir ihnen durch Bilder kleine Stücke der Welt präsentieren. Bilder, die mit Migration, Diversität, Pluralität und kulturellen Begegnungen in Verbindung stehen. Dieses Wort, ‚Pluralität‘, ist eine Einladung, die Welt in ihrem Inneresten zu erfassen, zu erfassen, was in ihr das Schönste ist und was das Wandelbarste ist, nämlich unsere Beziehungen und unsere Wahrnehmungen der anderen Völker, Zivilisationen, Glaubens- und Philosophiesysteme.“

Bayala fand schließlich mit Michael Haupt von der Initiative Minderheiten Tirol und Marco Friedrich Trenkwalder, freier Filme- und Theatermacher, umsetzungsstarke Partner.

„Als Eric Bayala mit der Idee eines Filmfestivals an mich herangetreten ist, war ich sofort Feuer und Flamme. Mit dem Medium Film können Fragen anders gestellt und verhandelt werden und mit dem Festivalambiente wird gleichzeitig ein größeres Publikum angesprochen. Innsbruck als geographischer Knotenpunkt in Mitteleuropa und als Stadt, in der etwa 150 Nationen leben, bietet selbst enorme Vielheit und ist damit ein idealer Ort für einen kulturell-diskursiven Zugang", erklärt Erziehungswissenschaftler und Geschäftsführer der Initiative Minderheiten Tirol, Michael Haupt.

Der Fokus des Auftakt-Festivals 2018 soll der spezifischen Erfahrung von Frauen* eine Bühne bieten sowie den vielschichtigen Diskriminierungserfahrungen, von denen insbesondere Frauen* im Migrationsprozess betroffen sind, gerecht werden.

„Weltweit sind mehr als 50 Prozent aller auf Wanderschaft und Flucht befindlichen Personen weiblich. Dabei sind die Bedingungen, unter denen Frauen* migrieren, ihre Erfahrungen und (Selbst-)Verortungen durch eine besondere Internationales Film Festival der Vielheit | 16.-17. November 2018 | Leokino

Verletzbarkeit gekennzeichnet, die eigene Handlungsstrategien erfordern und hervorbringen. Diesem spezifischen Zusammenhang will sich der diesjährige Schwerpunkt des Festivals widmen“, berichtet Kerstin Hazibar, Forscherin und Dozentin in den Bereichen Kritische Geschlechter- und Migrationsforschung, die auch den inhaltlichen Einstieg des Festivals bei der Eröffnung gestalten wird.

Zu erleben sind im Rahmen des Festivals 2018 vier Dokumentationen, drei Spielfilme, ein Animationsfilm, unter Anwesenheit von acht Filmemacher*innen, moderiert und diskutiert durch sieben Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis, umrahmt von drei musikalischen Acts, einem Poetry Slam, einer Intervention und angeregt durch zahlreiche Gespräche. Insgesamt sind Filme und Personen aus 10 Länder beteiligt.

www.inncontro.com

 

PROGRAMM

ERÖFFNUNG 16. NOV. 2018

19:00 STREET NOISE ORCHESTRA

Musikalischer Einstieg von der Annasäule bis zum Leokino

Das StreetNoiseOrchestra (SNO) ist seit 2014 die Activist StreetBand in Innsbruck und Umgebung. Unter dem Motto „Jede_r darf draußen Lärm machen – wir beleben die Stadt und bringen den Groove auf die Straße“ hat sich SNO in der Alternativ- und Subkulturszene bereits etabliert. Mit musikalisch guter Laune bereichern sie seitdem zahlreiche sozial-politische Veranstaltungen und verstärken lebenswesentliche Anliegen.

20:00 BEGRÜSSUNG

Leokino | Saal 1

Michael Haupt, Initiative Minderheiten Tirol Eric Bayala, Verein Sahel Tirol

20:15 FRAUEN* UND MIGRATION – EINE EINFÜHRUNG

Leokino | Saal 1

Einführung zum inhaltlichen Schwerpunkt durch Kerstin Hazibar, Dozentin in den Bereichen Kritische Geschlechter- und Migrationsforschung, Mitglied der Forschungsgruppe Geschlechterverhältnisse der Migrationsgesellschaften

20:30 FILM: LA NOIRE DE… [OMDU]

OUSMANE SEMBÈNE | SEN 1966 | 65 MIN Leokino | Saal 1

La noire de…, aus der Feder des senegalesischen Intellektuellen, Schriftstellers und Filmemachers Ousmane Sembène, gilt als „erster“ Film, in dem nicht der Westen das ehemalige Kolonialland thematisiert, sondern umgekehrt der vormals Kolonisierte seine Sichtweise selbstbestimmt visuell aufarbeitet. Und so wartet der in Schwarz-Weiß gedrehte, 1966 entstandene Klassiker nicht mit folkloristischen Klischees auf, sondern zeigt offen die moderne postkoloniale Unterdrückung der „Schwarzen“ in Europa am Beispiel des bei einer französischen Familie arbeitenden Kindermädchens Douanna.

21:40 GESPRÄCH ZUM FILM

Leokino | Saal 1

Offene Diskussion mit Verena Teissl und Kibidoué Eric Bayala, moderiert von Kerstin Hazibar

Verena Teissl, Professorin für Kulturmanagement und Cultural Studies an der FH Kufstein Tirol, Gründungsmitglied IFFI (1992 – 2002), Projektleiterin in der Programmabteilung der Viennale (2002 – 2009). Internationales Film Festival der Vielheit | 16.-17. November 2018 | Leokino

Kibidoué Eric Bayala, Musiker, Lyriker, Drehbuchautor und Regisseur (vier Dokumentarfilme mit interkulturellem Fokus, zuletzt „Widerklang der Seele“ (AT 2017, 86 min), Obmann des Vereins Sahel Tirol

22:00 AUSKLANG

im Foyer des Leokino

FESTIVAL UND KONZERT 17. NOV. 2018

10:30 START IN DEN TAG

Kaffee und Buffet im Foyer

11:00 FILM UND GESPRÄCH: WHAT THE WIND TOOK AWAY

HELIN CELIK & MARTIN KLINGENBÖCK | TUR/AT 2017 | 75 MIN Leokino | Saal 2

Der von Helin Celik und Martin Klingenböck produzierte Dokumentarfilm What the wind took away widmet sich dem Schicksal der Jesiden, einer religiösen Minderheit, die vor allem in ihrem Siedlungsgebiet des Nordirak als „Ungläubige“ Opfer von Verfolgung und Massaker durch den IS werden und zur Flucht gezwungen werden. Der österreichische Film gibt Einblick in das Leben zweier vertriebener Familien in einer der Notunterkünfte des Nachbarlands Türkei. Die beiden jungen Frauen erzählen vom Reichtum ihres alten Lebens, der gefährlichen Flucht über die Berge und dem zermürbenden Flüchtlingsalltag, zeigen zwischen den Zeilen aber auch die eigene Stellung als Frau in einer streng religiösen Gemeinschaft.

IM GESPRÄCH Helin Celik (Filmemacherin) MODERATION Verena Schlichtmeier, Psychotherapeutin und Supervisorin in Innsbruck mit langjähriger Erfahrung im Bereich Flucht und Migration

13:15 FILM UND GESPRÄCH: 2 GIRLS

MARCO SPERONI | IT 2016 | 52 MIN Leokino | Saal 2

2 Girls, ein aus einem Forschungsprojekt über junge Binnenmigrantinnen entstandener Dokumentarfilm des italienischen Filmemachers Marco Speroni gibt Einblick in die Lebensumstände zweier vor Armut und Missbrauch aus dem ländlichen Umfeld geflüchteter junger Frauen: die in einer Nähfabrik arbeitende Lita in Dhaka (Bangladesch) und die Sexarbeiterin Tigris in Addis Abeba (Äthiopien).

IM GESPRÄCH Forscherin Nicoletta del Franco und Filmemacher Marco Speroni MODERATION Stella Lange und Evelyn Ferrari, Mitarbeiterinnen am FWF-Forschungsprojekt „Kino der Migration in Italien seit 1990“ (Institut für Romanistik, UIBK) Internationales Film Festival der Vielheit | 16.-17. November 2018 | Leokino 

15:00 KONZERT: SCHUBLADENLIEDER

Leokino | Saal 2

Christine Abdel-Halim ist Liedermacherin, Gelegenheitskabarettistin und Feministin. Sie singt Lieder aus verschiedenen Schubladen ihres Lebens – melancholisch, philosophisch, humorvoll oder frech.

15:15 KURZFILME INTERNATIONAL

GIRL FACT | MAËL G. LAGADEC | BEL 2017 | 17 MIN Mit performativer Sprachwucht zeigt Lagadec mit seinem „teenage guide to surviving sex slavery“ positive Handlungsalternativen für junge Frauen in der Vergewaltigungshochburg“ Kongo auf.

KRIEG IM FRIEDEN | LUISE FIEDLER | DE 2015 | 12 MIN Der Animationsfilm veranschaulicht die zermürbende Erfahrung des Lebens im Dazwischen all jener Geflüchteter, die den Krieg miterlebt haben und im Exil von den traumatischen Bildern nicht losgelassen werden.

MEANWHILE IN TUNISIA | INÈS KHANNOUSSI | TN/AT 2018 | 25 MIN Zerrissen zwischen zwei Identitäten bricht die in Österreich aufgewachsene Inès Khannoussi zu einem Roadtrip durch Tunesien auf, um Orte ihrer Kindheit aufzusuchen.

ESCAPE FROM SYRIA: RANIA‘S ODYSSEY | RANIA MUSTAFA ALI, ANDERS HAMMER, AYMAN AL HUSSEEN | SYR/NOR 2017 | 22 MIN 2017 geht ein Video um die Welt: Es zeigt die mit einer Handkamera gefilmten Eindrücke der 20-jährigen Rania Mustafa Ali auf ihrer Flucht von Syrien nach Österreich.

Leokino | Saal 2

IM GESPRÄCH Maël G. Lagadec, Luise Fiedler, Inès Khannoussi, Rania Mustafa Ali, Anders Hammer, Ayman Al Husseen

17:15 POETRY SLAM

Leokino | Saal 2

Katrin ohne H alias Katrin Rauch studiert (Romanistik), schreibt – privat als Slam-Poetin und beruflich als Webtexterin –, kam aus dem Waldviertel in NÖ vor einigen Jahren nach Innsbruck und macht dort (nicht immer), was man eben so macht. Sie ist auf diversen (Innsbrucker) Slam- und Lesebühnen zu sehen, ist Teil des Slam-Teams „Keine Halbe Beschreibung“ und der Innsbrucker Lesebühne FHK5K (Frau Herrmanns Katerstrophen 5000).

17:30 FILM: PEUR DE RIEN

DANIELLE ARBID | FR 2015 | 119MIN Leokino | Saal 2

Die 18-jährige Libanesin Lina verlässt ihre Heimatstadt Beirut, um der Enge ihrer fremd gewordenen Familie zu entkommen und im modernen Paris als Studentin die Freiheit in vollen Zügen zu genießen. Doch so berauschend diese neue Welt ihr erscheint, ist sie jäh rassistischen Vorurteilen und dem Machogehabe ihrer ersten Liebhaber ausgesetzt – bis sie beginnt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Internationales Film Festival der Vielheit | 16.-17. November 2018 | Leokino 

20:30 ABSCHLUSSABEND MIT KONZERT: NOOR KHOURY

Kater Noster

Noor Khoury begann ihren musikalischen Werdegang in Damaskus, Syrien. Als Sängerin und Gitarristin gab sie noch während des Krieges in verschiedenen Konstellationen Konzerte - bis die politische Situation auch sie zur Flucht zwang. Seit drei Jahren lebt Noor in Österreich und tritt mit ihrem mal arabischen, mal französischen Gesang und dem Spiel auf Gitarre und Cajon auf. Gemeinsam mit der Band Basalt nahm sie mit Conchita Wurst den Song „Small House“ für das Projekt New European Songbook auf.

INTERVENTION 16. - 17. NOV 2018 IM UND UMS LEOKINO HERUM

ArchFem - Interdisziplinärer Raum für feministische Intervention

TICKETS

EINZELTICKET 7 EURO

FESTIVALPASS 25 EURO | 18 EURO gültig für alle Veranstaltungen vom 16.-17. Nov 2018

Tickets erhältlich im Leokino. Ermäßigt für Studierende, Geringverdienende, subsidiär Schutzberechtigte,