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Verdichtung ist eine Antwort der Innsbrucker Stadtregierung auf die Frage der Schaffung von qualitativem Wohnraum. Hier am Beispiel des Eichhofs in Pradl.
Verdichtung ist eine Antwort der Innsbrucker Stadtregierung auf die Frage der Schaffung von qualitativem Wohnraum. Hier am Beispiel des Eichhofs in Pradl.

Landeshauptstadt setzt auf vielfältige Wohninitiativen

Wird in Innsbruck zu viel und zu dicht verbaut?

Wir haben in Innsbruck eine besondere Situation. Hier treffen die Interessen und Bedürfnisse der BürgerInnen – Wohnen und Arbeiten – unmittelbar auf die den Siedlungsraum begrenzenden Berge und die Gemeindegrenzen. Weil wir nicht wesentlich über die bestehenden Baulandgrenzen in den Naturraum und die Naherholungsgebiete hineinwachsen wollen, setzen wir auf Verdichtung und Umstrukturierung im Stadtgebiet.

Warum werden neue gemeinnützige Wohnungen gebaut?

Neben einer geregelten und sicheren Arbeit als Lebensgrundlage gehört leistbarer Wohnraum zu den Bedürfnissen der BürgerInnen. Der steigende Preisdruck am privaten Markt erfordert maßgeschneiderte kommunale Lösungen und damit gemeinnützigen Wohnbau zu verträglichen Preisen.

Wie viele Wohnungen müssen gebaut werden, damit genügend zur Verfügung stehen? Und in welchem Zeitraum müssen diese entstehen?

Wir haben uns bereits im Arbeitsübereinkommen im Jahr 2012 im Bereich des Wohnbaus auf die Schaffung von 2.000 neuen geförderten Wohnungen bis 2018 verständigt. Das ist angesichts der Bevölkerungsentwicklung und der Zahl der Haushalte realistisch. Aufgrund der Prognosen ist auch danach die Schaffung von leistbaren Wohnungen in größerer Zahl erforderlich.

Werden durch den Neubau so vieler Wohnungen die Mietpreise bestehender Wohnungen niedriger?

Die Stadt Innsbruck muss und will dem privaten Wohnbau „Konkurrenz machen“, bei dem Wohnungen als Kapitalanlage gebaut werden und die Preise explodieren. Gemeinnütziger Wohnbau bedeutet sozial verträgliche Preisgestaltung bei guter Qualität. Insgesamt zahlen unsere MieterInnen zum Beispiel bei der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) eine Nettomiete von durchschnittlich rund 3,60 Euro pro Quadratmeter und Monat, ohne Betriebs- und Heizkosten. Wenn man die Durchschnittsmieten in Innsbruck vergleicht, so liegen diese um ein Mehrfaches höher als jene der städtischen Wohnungen.

„Innsbruck ist eine lebenswerte Stadt. Stadtentwicklung bedeutet die Schaffung von Plätzen und Orten mit Aufenthaltsqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Nutzerinnen und Nutzer. Die Begehrlichkeiten und Herausforderungen sind groß, diesen stellen wir uns aktiv.“

Stadtrat Mag. Gerhard Fritz

Stadtrat Mag. Gerhard Fritz

Wie viel Wohnbau verträgt die Stadt?

Die laufende Fortschreibung des örtlichen Raumordnungskonzepts ÖROKO gibt die Leitziele für die räumliche Entwicklung der Stadt in den nächsten zehn Jahren vor. Diese werden nach sozialen und ökologischen Kriterien formuliert.

Wieso bedeutet Verdichtung in Innsbruck eher Neubau als Bestandssanierung?

Bei der Projektentwicklung wird auf eine verträgliche Mischung von Bestandssanierung sowie Abbruch und Neubau Wert gelegt bzw. diese mit dem Nutzen abgewogen. Viele Bestandsobjekte sind in die Jahre gekommen und eine Sanierung wäre im Sinne der BewohnerInnen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht vertretbar.

Welche Position nimmt die Innsbrucker Stadtplanung im Spagat zwischen dem Bedürfnis nach Wohnraum und der gleichzeitigen Schaffung von Freiraumqualität ein?

In einer sich verdichtenden Stadt sind qualitätsvolle und nutzbare Freiflächen von wesentlicher Bedeutung. Abbruch und Neubau ermöglichen oft Verdopplung der Wohnfläche bei gleichem „Fußabdruck“, also gleichem Grundverbrauch. Wir müssen die speziellen örtlichen Gegebenheiten in jedem einzelnen Stadtteil beachten. Überdies geht es laufend um die Abwägung zwischen öffentlichen und legitimen Privatinteressen. Da helfen uns auch Empfehlungen der ExpertInnen des Innsbrucker Gestaltungsbeirats.

Wo besteht noch Potenzial für Nachverdichtungen?

Ein aktuelles Projekt entsteht am Eichhof in Pradl. Die IIG verfolgt mit dieser behutsamen Nachverdichtung im Bestand eine nachhaltige Entwicklungsstrategie im innerstädtischen Raum, in einem ausgewogenen Kompromiss zwischen Erhalt des sozialgeschichtlichen Erbes der Südtiroler Siedlungen sowie den Bedürfnissen der heutigen und kommenden Generationen. Derzeit befinden sich im Eichhof rund 390 Wohnungen und sieben Geschäftslokale. Das Wettbewerbsprojekt sieht vor, im Endausbau ca. 540 Wohnungen anzubieten, das sind rund 140 Wohnungen im verbleibenden Bestand und 400 Neubauwohnungen (150 zusätzliche Wohnungen). Gleichzeitig bleiben Grünoasen im Innenhof weitgehend erhalten.

Kommt die angedachte Verdichtung im O-Dorf?

Möglichkeiten der Nachverdichtung werden genau geprüft und verschiedene Varianten in einem BürgerInnenbeteiligungsverfahren diskutiert.

Wie viel Mitsprache haben BürgerInnen bei Wohnbauprojekten wirklich?

Stadtentwicklung wird als partizipative Kooperation zwischen BürgerInnen, Stadtverwaltung, WohnbauträgerInnen und Wirtschaft gesehen. Zum Beispiel wurde mit dem kooperativen Planungsverfahren im Bereich der Campagne-Reichenau unter Einbindung der BürgerInnen ein Leitprojekt für die räumliche und inhaltliche Ausrichtung des Stadtquartiers entwickelt. Einen ähnlichen Weg geht die Stadt in Hötting-West, Kranebitten und dem Harterhofplateau. Wünsche, Anregungen und Ideen der BürgerInnen 
werden in die Planungsprozesse und die fachlichen Abwägungen eingebunden.