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Impfen schützt

Gerade in der kalten Jahreszeit haben einige Infektionen Hochsaison. Gegen viele riskante Krankheiten sollte man sich jedoch das ganze Jahr über auch als Erwachsener impfen lassen, beispielsweise Keuchhusten oder Masern. Doch schützt Impfen zuverlässig und welche Krankheiten sind heutzutage die gefährlichsten? Der Innsbrucker Amtsarzt Dr. Hans-Peter Rammer gibt Auskunft.

In unseren Breiten gibt es seit 2011 gehäuft Fälle von Keuchhusten (Pertussis). Woran erkennt man diese ganzjährig auftretende und bakteriell verursachte Krankheit?

Allein von 2015 auf 2016 haben sich die gemeldeten Fälle in Tirol verdoppelt, die Dunkelziffer liegt jedoch weit höher. Keuchhusten ist eine sehr ansteckende, durch Tröpfchen übertragbare Erkrankung mit einem über zumindest fünf Wochen reichenden Ansteckungszeitraum. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch schwere Hustenattacken (Stakkatohusten gefolgt von Ziehen beim Einatmen) bis zum Erbrechen. Der Husten kann Wochen bis Monate andauern und ist sehr belastend. Bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung allerdings nicht immer typisch.

Wer ist bei Keuchhusten besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Neugeborene und Säuglinge unter sechs Monaten, die auch Atemstillstände erleiden können. Da in den ersten vier bis fünf Monaten kein sicherer Immunschutz für den Säugling zu erreichen ist, ist es von besonderer Bedeutung, dass insbesondere Geschwisterkinder oder Familienangehörige, die Überträger des Keuchhustens sein können, ebenfalls vor der Erkrankung geschützt sind.

Was kann man gegen Keuchhusten tun?

Wer an schweren Hustenattacken bis zum Erbrechen leidet oder länger als zwei Wochen stark hustet, sollte auf Keuchhusten untersucht werden. Das Referat Gesundheitswesen der Stadt Innsbruck bietet Nachimpfungen, Impfpass-Kontrollen und eine Impfberatung für schulpflichtige Kinder an. Zu beachten ist, dass auch geimpfte, gesunde Personen ansteckend sein können. Daher wird Kontaktpersonen von Neugeborenen, Säuglingen, Schwangeren oder Personen mit chronischen Herz-Lungen-Erkrankungen eine Vorbeugung mit Antibiotika empfohlen. Kontaktpersonen von an Keuchhusten erkrankten Personen dürfen Gemeinschaftseinrichtungen erst wieder nach einer Antibiotikagabe besuchen.

Wie gefährlich sind beispielsweise die Masern als ganzjährig auftretende virale Erkrankung?

Auch die Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit: Sechs Prozent aller Erkrankten erleiden eine Lungenentzündung, jeder tausendste eine Entzündung des Gehirns mit einer Sterblichkeit von 25 Prozent und einem Risiko für schwere Folgeschäden von 30 Prozent. Im Anschluss an eine Maserninfektion kommt es zu einer jahrelangen Immunschwäche – keinesfalls wird, wie von manchen Impfgegnern behauptet, das Immunsystem gestärkt. Besonders gefürchtet ist die meist nach einigen Jahren bei jedem
Zehntausendsten auftretende SSPE, eine Gehirnentzündung, die immer tödlich verläuft.

Warum sollten sich so viele wie möglich gegen Masern impfen lassen?

Um die Durchimpfungsrate (d. h. die Anzahl der geimpften Personen in Österreich, die ausreicht, um eine Krankheit auszurotten) zu erhöhen. Leider ist die Durchimpfungsrate in Österreich zu niedrig, sodass nicht immune Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann an Masern erkranken: Die sogenannte „Herdenimmunität“ schützt Ungeimpfte erst bei einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent der Bevölkerung. Wenn das Erkrankungsalter sich jedoch nach hinten verschiebt, sind die Verläufe bei älteren Kindern und Erwachsenen häufig besonders schwer. Daher gilt für jede bzw. jeden nach 1970 geborene/n ÖsterreicherIn: Wenn keine oder nur eine Schutzimpfung verabreicht wurde beziehungsweise der Impfstatus unklar ist, soll die MMR-Impfung unbedingt nachgeholt werden. Die Masernimpfung schützt verlässlich. Impfungen gegen die Masern führt das Referat Gesundheitswesen durch: Sie kann von allen InnsbruckerInnen an vier Tagen der Woche gratis bezogen werden.

Wodurch unterscheidet sich die saisonale „echte Grippe“ von einem grippalen Infekt?

Die „echte Grippe“ (Influenza) ist im Vergleich zum grippalen Infekt (Erkältung mit oder ohne Fieber) eine schwere Erkrankung mit hohem Fieber, die mehrere Tage oder Wochen andauern kann. Das Risiko für Komplikationen wie eine Lungenentzündung ist beträchtlich. Influenza kann auch tödlich enden. Die „echte Grippe“ wird durch Influenzaviren verursacht, gegen die eine Grippeimpfung schützen kann. Da jedes Jahr unterschiedliche Influenzaviren im Umlauf sind und die Impfung eine zeitlich begrenzte Wirksamkeit hat, wird der Impfstoff alljährlich neu an die zirkulierenden Influenza-Virusstämme angepasst und eine jährliche Impfung ist für Kinder und ältere Menschen sinnvoll.

Kontakt und Auskunft

Referat Gesundheitswesen
Montag, Dienstag, Donnerstag,
Freitag von 08:00 bis 11:00 Uhr
Rathaus, Maria-Theresien-
Straße 18, 1. Stock
Tel. +43 512 5360 1150 und 1144
www.innsbruck.gv.at (Leben/Soziales > Gesundheit)

Fünf Gesundheitstipps für den Winter

  1. Oft und gründlich die Hände mit Wasser und Seife waschen, Hygieneregeln beachten.
  2. Abwehrkräfte stärken: viel Bewegung im Freien, Wechselduschen und Sauna.
  3. Wenn kein Taschentuch zur Verfügung steht, immer in die Armbeuge niesen und husten.
  4. Dauert das Fieber bei Kindern länger als drei Tage an, unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin konsultieren.
  5. Auch altbewährte Hausmittel können helfen: Topfenwickel bei Halsweh, Inhalieren mit Salzwasser, Wickel mit Bienenwachs oder Zwiebel bei Husten lindern die Beschwerden. Salbei, Ingwer und Zimt wirken antibakteriell.