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Das „Freiwilligenzimmer“ mit dem ersten eigenen Telefonanschluss der Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck befand sich im Rathaus – Foto um 1910.
Das „Freiwilligenzimmer“ mit dem ersten eigenen Telefonanschluss der Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck befand sich im Rathaus – Foto um 1910.

Von den Anfängen des Rettungsdienstes in Innsbruck

Am 1. Oktober 1907 nahm die ein halbes Jahr zuvor gegründete Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr den öffentlichen Rettungsdienst in Innsbruck auf. Sie erhielt dafür Räumlichkeiten im Rathaus. Kurz darauf bewältigte der Rettungsdienst ein erstes Großschadensereignis.

von Ernst Pavelka

Nach der Gründung der Rettungsabteilung am 12. April 1907 galt es zunächst den Mitgliederstand zu heben. Werbebriefe wurden ausgeschickt und Aufrufe in Zeitungen inseriert. Mittels einer den Briefen beiliegenden Korrespondenzkarte konnten Interessierte der Abteilung beitreten: als unterstützendes Mitglied zu einem Jahresbeitrag von vier Kronen, als Gönner zu einem von 20 Kronen und als Stifter zu einem einmaligen Beitrag von 200 Kronen. Aber auch ausübende Mitglieder wurden gesucht. Beitrittserklärungen lagen dazu in den Geschäften einiger Gründungsmitglieder auf, so etwa in der Metzgerei des Geldwarts Hans Hörtnagl am Burggraben, im Geschäft von Obmann Leo Stainer im Palais Trapp, in der Trafik von Schriftführer Ferdinand Nessler jun., letztere beide in der Maria-Theresien-Straße, oder in der Konditorei von Sanitätsmann Hans Munding in der Kiebachgasse. Innerhalb kurzer Zeit gelang es, den Mitgliederstand von zehn auf 40 Personen zu heben.

Räume für die Rettung
Gleichzeitig brauchte man eine Station. Nachdem man daran gescheitert war, sich selbst entsprechende Räumlichkeiten zu schaffen, begab sich eine „Deputation“ zum damaligen Bürgermeister Wilhelm Greil, der die kostenlose Überlassung der ehemaligen Polizeimessstation im Rathaus zusagte. Der Gemeinderat bewilligte am 19. Juli 1907 diese Übergabe und stimmte der Kostenübernahme für notwendige Adaptierungsarbeiten zu. Im November genehmigte der Gemeinderat dem Stadtbauamt eine Kreditüberschreitung von 187 Kronen für die Umbauten. Das „Wachzimmer“ war ein einziger Raum, neben der Feuerwehr im zweiten Rathaushof gelegen. Er wurde als Verbandszimmer, Aufenthaltsraum, Sitzungs- und Versammlungsraum genutzt. Zwei Jahre nach Bezug war das Lokal zu klein geworden und die Abteilung erhielt drei zusätzliche Räume, ehemalige Polizeiarreste. Diese wurden frei, nachdem im Sommer 1909 Gefängniszellen in dem neu errichteten Quertrakt des Rathauses Richtung Fallmerayerstraße Platz gefunden hatten. Die neuen Räume der Rettungsabteilung dürften neben dem alten Wachzimmer gelegen sein. Sie umfassten einen Tag- und Schlafraum für zwei „ständige“ – seit 1908 gab es hauptamtliche – Sanitätsmänner sowie den Kutscher, einen Raum für die Freiwilligen sowie einen Geräteraum, der für die Unterbringung der Transportgeräte und als Magazin genutzt wurde. Er wies einen Wasserauslauf sowie einen zementierten Boden auf, um die Wägen reinigen zu können. Alle Räume waren elektrisch beleuchtet. Die Betriebskosten trug die Stadt.

Telefon für die Rettung
Das „Freiwilligenzimmer“ diente nicht nur als Aufenthaltsraum, sondern zudem als Kanzlei. In ihm war die erste eigene Fernsprechstelle der Rettungsabteilung untergebracht. Innsbruck besitzt seit 1893 ein Telefonnetz. Ein Großteil der Anforderungen der Rettungsabteilung ging neben Bote und Telegraph über die Telefonnummer 359 der Feuerwehr ein. Im Adressbuch für das Jahr 1910 taucht für die Alarmierung der Rettung erstmals nicht die Nummer der Feuerwehr, sondern die neue, eigene Rufnummer 300 der Rettungsabteilung auf.

Um den Mangel an privaten Telefonen auszugleichen, errichtete man in Innsbruck und der näheren Umgebung 33 Unfallmeldestellen. Private TelefonbesitzerInnen stellten dabei ihre Telefone zur Meldung von Notfällen zur Verfügung. Die Standorte wurden durch Emailtafeln mit der Aufschrift „Rettungsabteilung der freiwilligen Feuerwehr Innsbruck, Unfallmeldestelle“ und einem Roten Kreuz gekennzeichnet. Dieses System wurde von der Feuerwehr übernommen, die schon seit 1899 siebzehn Feuermeldestationen betrieb.

Das Telefon ermöglichte nicht nur eine bequeme Anforderung der Rettung, sondern auch neue Formen der Alarmierung der aktiven Mitglieder. Der Anschluss hatte zehn Nebenstellen. Um im Großschadensfall möglichst viele Sanitäter zeitnah herbeirufen zu können, erhielten sechs Sanitätsmänner Telefone mit einer Standleitungsverbindung zur Rettungsstation.

Für den Notfall gerüstet
Gleichzeitig wurde die erste Massenalarmordnung erstellt. Alarmordnungen sind heutzutage fester Bestandteil des Großunfall- und Katastrophenschutzes. Sie definieren Regeln zur Alarmierung von Behörden und Einsatzkräften. So konnten bei einem Probealarm am 15. September 1910 innerhalb einer Viertelstunde 20 Sanitätsmänner in voller Ausrüstung in die Wache beordert werden.

Die Annahme möglicher Katastrophenszenarien war nicht nur theoretisch: Am 21. Juni 1908 hatte die Rettungsabteilung ihr erstes Großschadensereignis beim achten „Zirler Brand“ bewältigt: Ein Großteil der Häuser war zerstört und fünf Menschen waren getötet worden.

Die Hauptübung der Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck fand am 9. Oktober 1910 am Staatsbahnhof, dem späteren Westbahnhof, statt.
Die Hauptübung der Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck fand am 9. Oktober 1910 am Staatsbahnhof, dem späteren Westbahnhof, statt.