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Die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck im zweiten Hof des Rathauses. Am 19. Juli 1907 hatte der Gemeinderat die Überlassung der Polizeimessstation neben der Feuerwehr im zweiten Hof des Rathauses als Station bewilligt.
Die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck im zweiten Hof des Rathauses. Am 19. Juli 1907 hatte der Gemeinderat die Überlassung der Polizeimessstation neben der Feuerwehr im zweiten Hof des Rathauses als Station bewilligt.

111 Jahre öffentlicher Rettungsdienst in Innsbruck

Am 01. Oktober hat sich die offizielle Aufnahme des öffentlichen Rettungsdienstes in Innsbruck zum 111. Mal gejährt. Sie verdankt sich der Gründung der Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck vom 12. April 1907. Von ihr führt eine direkte historische Linie zur noch heute bestehenden Freiwilligen Rettung Innsbruck bzw. Bezirksstelle Innsbruck-Stadt des Österreichischen Roten Kreuzes.

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck von Ernst Pavelka

Das Innsbrucker Rettungswesen hat seine Wurzeln im viel älteren Feuerlöschwesen. Behördliche Anordnungen zur Brandverhütung- und Brandbekämpfung lassen sich spätestens bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Gefolge der Feuerordnung von 1817 war eine berufsständisch organisierte Bürgerwehr zur Brandbekämpfung geschaffen worden. In ihr gab es als dritte von sechs Abteilungen eine zur Menschenrettung. Die Einsätze der Bürgerwehr dürften sich chaotisch abgespielt haben, dies führte 1857 zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck. Innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck erscheint 1881 erstmals eine Sanitätsabteilung. Die vier-, im Folgejahr bereits neunköpfige Mannschaft setzte sich aus ausgedienten Wehrmännern zusammen und rückte nur im Brandfall gemeinsam mit der Feuerwehr aus. Geschult wurde sie an einzelnen Abenden von den Korpsärzten der Feuerwehr. Der Ausbildungsstand der „Samariter“, wie Sanitäter damals genannt wurden, war denkbar schlecht.

Gustav Riegl (1861–1910) war der Sohn von Johann „Hans“ Riegl, einem der Gründungsmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck. Seit 1895 bei der Feuerwehr, reformierte er 1897 die Sanitätsabteilung derselben.
Gustav Riegl (1861–1910) war der Sohn von Johann „Hans“ Riegl, einem der Gründungsmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck. Seit 1895 bei der Feuerwehr, reformierte er 1897 die Sanitätsabteilung derselben.

Reform der Sanitätsabteilung

1897 stieß Branddirektor Viktor Baron Graff (1853–1930), wohl im Zuge einer Reorganisation der Feuerwehr, eine Personal- und Ausbildungsreform der Sanitätsabteilung an. Dies schon mit dem Ziel, dereinst den öffentlichen Rettungsdienst stellen zu können. Möglicherweise spielten dabei seit 1890 vom Österreichischen Feuerwehrausschuss ausgehende Aktivitäten, die auf die Übernahme des Rettungsdienstes durch die Freiwilligen Feuerwehren abzielten, eine Rolle. Der Feuerwehrausschuss trat dabei auch an
die österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuz heran, mit der er seit 1892 ein für den Kriegsfall geltendes Abkommen über Versorgung und Transport von Militärangehörigen im Hinterland hatte. Die Feuerwehren erhielten dafür das Recht, das Rotkreuz-Zeichen zu führen. Baron Graff machte dann den als hochintelligent und energisch beschriebenen Kaufmann Gustav Riegl (1861–1910) zum Kommandanten der Sanitätsabteilung. Der Eintritt der ältesten späteren Gründungsmitglieder von 1907, Kunstformer
Leo Stainer, Metzger Hans Hörtnagl und Konditor Hans Munding, alle drei seit 1892 bei der Feuerwehr, sollte diese verjüngen. Für die Ausbildung konnte man den Stadtarzt Dr. Otto Kölner († 1919) als Korpsarzt gewinnen. Wie wichtig eine gut ausgebildete Mannschaft war, hatte man 1893 gesehen. Die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft versuchte damals mit ihrer siebenten Filiale in Innsbruck den öffentlichen Rettungsdienst aufzunehmen. Nach einem Jahr war sie gescheitert: Es hatte trotz einer Ausrüstung
im Wert von 5.000 Gulden vor allem an geschultem Personal gemangelt.

Die Rettungsabteilung bei einem Aufmarsch zu einer Schauübung aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck am 19. Mai 1907 vor dem Stadttheater.
Die Rettungsabteilung bei einem Aufmarsch zu einer Schauübung aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck am 19. Mai 1907 vor dem Stadttheater.

Rettungsabteilung gegründet

Dr. Kölner schuf das erste Ausbildungsprogramm für Sanitäter. Die Teilnehmer sollten zu allgemeiner Erster Hilfe auch außerhalb von Feuerwehreinsätzen befähigt werden. Das Curriculum trug den Titel „Erste Hilfe der Sanitätsmannschaft bei Unglücksfällen“. Es begann im Herbst und endete im Frühjahr mit einer Prüfung. Die jährlichen Kurse waren auch bei Wehrmännern anderer Feuerwehren beliebt. Seit 1901 ist außerdem die Teilnahme von Wachmännern der Städtischen Sicherheitswache belegt, bei der ebenfalls 1897 vom gerade angestellten Polizeiinspektor Carl Ertl Erste-Hilfe-Kurse eingeführt worden waren. 1905 folgte Leo Stainer (1870–1964) dem Magistratsbeamten Amadeus Simath, der 1899 Gustav Riegl abgelöst hatte, als Kommandant der Sanitätsabteilung. Er trieb das Projekt, aus der Sanitätsabteilung eine Rettungsabteilung zu machen, zunehmend voran. Am 11. Oktober 1906 versammelte sich die ganze Abteilung mit Viktor Baron Graff im Gasthof „Schwarzer Adler“, um die Gründung vorzubereiten. Zwei Tage später traten Dr. Otto Kölner, Sanitätsmann Ferdinand Nessler und Leo Stainer eine Studienreise zu den Sanitätsabteilungen in Nürnberg, Linz und Wien an. Am 21. Dezember 1906 nahm der Gemeinderat einen Dringlichkeitsantrag
von Baron Graff auf Gründung einer Rettungsabteilung einstimmig an.

Gründende Hauptversammlung

Dr. Kölner verfasste Satzungen, die am 18. Februar 1907 von der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck genehmigt wurden. Am 24. Februar trat die neu entstandene Rettungsabteilung dem Patriotischen Landes- und Frauenhilfsverein vom Roten Kreuz in Tirol bei. Am 12. April 1907 fand im damaligen Gasthof Breinößl schließlich die gründende Hauptversammlung statt. Leo Stainer wurde der erste Obmann, Anton Gasser sein Stellvertretreter, Ferdinand Nessler Schriftführer und Hans Hörtnagl Kassier. Am 01. Oktober 1907 nahm die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck den „ständigen“ Rettungsdienst in Innsbruck offiziell auf. Bis Jahresende rückte die Rettungsabteilung 197 Mal aus. Am häufigsten bewältigte sie Blutungen, Frakturen der unteren Extremitäten, Quetschwunden, Hiebwunden und psychiatrische Notfälle. Gemessen an der Anzahl der Interventionen waren Bauarbeiter, Dienstmägde, Ehefrauen und Privatiers am gefährdetsten.