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Im Bereich der Arzler Alm kommt es aufgrund von Aufräumarbeiten nach den massiven Lawinenschäden zeitweise zu Sperren auf den Forstwegen.
Im Bereich der Arzler Alm kommt es aufgrund von Aufräumarbeiten nach den massiven Lawinenschäden zeitweise zu Sperren auf den Forstwegen.

Spuren eines schneereichen Winters

Schneefälle und Lawinen haben dem Innsbrucker Wald auf der Nordkette stark zugesetzt. Nun sind umfangreiche Forstarbeiten erforderlich, um den Wald zu schützen und wieder aufzuforsten.

Der vergangene Winter hat sowohl die Innsbrucker Bevölkerung als auch die Mitglieder der Lawinenkommission, der Behörde sowie die Einsatzorganisationen in Atem gehalten. Bis weit in den März hinein wurden auf der Nordkette enorme Schneefälle verzeichnet. Insgesamt sind im Zeitraum von 1. Dezember 2018 bis 31. März 2019 19,92 Meter Neuschnee auf der Seegrube gefallen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es nur 11,87 Meter.

Knapp eine Woche lang waren zu Beginn des Jahres auf der Nordkette sämtliche Lawinensperren aktiv, Umbrüggler und Arzler Alm blieben geschlossen und am Rechenhof mussten zwei Häuser in der roten Zone evakuiert werden. In Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Feuerwehren wurden in den Stadtteilen Hungerburg, Hötting und Mühlau rund 280 BewohnerInnen in der gelben und roten Zone informiert, sich in ihren Häusern aufzuhalten und erhöhte Vorsicht walten zu lassen.

„Der starke Auftritt des Winters war ein Jahrhundertereignis. Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt, die sich tagtäglich unermüdlich im Einsatz befanden. Durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten und gegenseitiges Verständnis seitens der Bevölkerung haben wir die kritischen Situationen gut gemeistert. Die Sicherheit aller stand in jedem Bereich im Mittelpunkt“, resümiert Vizebürgermeister Franz X. Gruber rückblickend.

Zu diesem Zeitpunkt bestand die Gefahr, dass Auswirkungen von Staublawinen den Siedlungsraum erreichen. Infolge eines Defektes war die Nordkettenbahn mehrere Tage außer Betrieb. Erst drei Tage später konnten Techniker zur Seegrube geflogen und die Seilbahn schlussendlich wieder in Betrieb genommen werden. Durch die laufenden Schneefälle hielt die kritische Situation rund zwei Wochen an. Erst Ende Jänner entspannte sich die Lage.

Weiße Naturgewalt

Im Jänner zeigte eine Staublawine im Bereich der Herz-Wiese ihr zerstörerisches Potential. Diese hat eine große Schneise in den teilweise jahrhundertealten Mischwald aus Fichten, Tannen und Buchen geschlagen. Erst mit der Schneeschmelze wurde das gewaltige Ausmaß des entstandenen Schadens sichtbar. Etwa 20 Hektar Schutzwald, eine Fläche von rund 28 Fußballfeldern, sind geschädigt. Betroffen sind etwa 70 WaldeigentümerInnen, wobei 20 ihren Waldbestand in diesem Bereich fast zur Gänze verloren haben. Nun stehen WaldbesitzerInnen, dem städtischen Forstamt und externen Firmen in den nächsten Wochen die Aufräumarbeiten bevor. Ein Großteil des Schadholzes kann nur mehr als Brennholz verwendet werden.

Bedrohung durch Borkenkäfer

Geschädigte oder bereits abgestorbene Bäume dienen dem Borkenkäfer als Nährboden. Insbesondere in Fichtenwäldern kommt es durch Borkenkäferfraß immer wieder zu verheerenden Schäden. Um der Ausbreitung dieses Waldschädlings Einhalt zu gebieten, muss das Schadholz rasch entfernt werden. In abgestorbenen und geschwächten Bäumen können sich die Käfer sprunghaft vermehren und dabei Waldbestände flächig zum Absterben bringen. Innerhalb der Borkenkäfer-Familie zählt der sogenannte Buchdrucker wegen seiner hohen Fruchtbarkeit zu den gefährlichsten Forstschädlingen. Die Jungkäfer, welche aus einem einzigen befallenen Baum ausfliegen, können wiederum rund 20 neue, gesunde Bäume zum Absterben bringen.

 

 

„Zum Schutz unseres Waldes sind jetzt dringende Forstarbeiten notwendig. Zur Sicherheit müssen wir immer wieder Sperren des betroffenen Waldgebietes vornehmen. Ich ersuche alle, die Wegsperren zu beachten, damit die Aufräumarbeiten ungehindert erledigt werden können. Danke!“

Vizebürgermeister Franz X. Gruber

Vizebürgermeister Franz X. Gruber

Schutzwaldfunktion

Die hohe Lebensqualität in Innsbruck wird stark vom alpin-urbanen Erholungsraum geprägt. Die stadtnahen Wälder laden zu Ruhe, Erholung und Sport ein. Von den rund 10.500 Hektar des Innsbrucker Stadtgebietes sind etwa 40 Prozent Wald. Die Waldflächen werden vom städtischen Forstamt betreut, wobei der Instandhaltung des Schutzwaldes eine wesentliche Bedeutung zukommt. „Zusätzlich zur Pflege des Waldes ist die Almpflegeaktion auf der Arzler Alm ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft auf der Nordkette“, ergänzt Gruber. Die Wald- und Almpflege wirkt sich direkt auf die Sicherheit der InnsbruckerInnen aus. Der Mühlauer Stadtwald beispielsweise übt eine wesentliche Schutzfunktion aus, indem er Häuser, Straßen und auch stark frequentierte Freizeiteinrichtungen schützt.

Überschwemmungen, Muren und Lawinen, aber auch Trockenheit und Stürme als Folge des Klimawandels bedrohen immer wieder den Innsbrucker Siedlungsraum und machen dem heimischen Schutzwald vermehrt zu schaffen. Sowohl das erhöhte Borkenkäfer-Aufkommen als auch der Wildeinfluss stellen die Wälder zusätzlich auf eine Belastungsprobe. Um auch den künftigen Generationen ein intaktes „Schutzschild“ gegen Naturgefahren zu hinterlassen, müssen die Anpassungsmaßnahmen in den Bergwäldern jetzt in Angriff genommen werden. Damit die volle Funktion eines Schutzwaldes genutzt werden kann, benötigt es eine gesunde, vitale und stabile Boden- und Waldstruktur. Dies wird mit der Pflege des Waldes durch die MitarbeiterInnen des Amtes für Forstwirtschaft, aber auch den privaten WaldbesitzerInnen garantiert.

Almen sind erreichbar

Auf der Nordkette kommt es aufgrund von Forstarbeiten zu zeitlich notwendigen Sperren von Wald und Forstwegen. Die städtischen Almen sind im Rahmen der Wegsperrzeiten dennoch immer erreichbar. Bitte die Hinweistafeln über Ausweichmöglichkeiten sowie die jeweiligen forstlichen Sperrgebiete unbedingt beachten, da Lebensgefahr besteht. MF