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Bei der feierlichen Eröffnung der Festwochen der Alten Musik auf Schloss Ambras Innsbruck (v.l.): Wolfgang Sobotka (Bundesminister für Inneres), Landeshauptmann Günther Platter, Bundespräsident a.D. Heinz Fischer mit Gattin Margit, Alessandro De Marchi (Künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen), Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer
Bei der feierlichen Eröffnung der Festwochen der Alten Musik auf Schloss Ambras Innsbruck (v.l.): Wolfgang Sobotka (Bundesminister für Inneres), Landeshauptmann Günther Platter, Bundespräsident a.D. Heinz Fischer mit Gattin Margit, Alessandro De Marchi (Künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen), Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer

Eröffnung der Festwochen der Alten Musik 2016

Rede von Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer anlässlich der Eröffnung der Innsbrucker Festwochen 2016

Mein besonderer Gruß gilt den Hauptakteuren der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik: Allen voran dem künstlerischen Leiter Alessandro de Marchi, den Geschäftsführern Dr. Markus Lutz und Markus Korselt, Betriebsdirektorin Eva-Maria Sens, Produktionsleiter Dieter Senft sowie dem gesamten Festwochen-Team, das mit seinem Einsatz auf und hinter der Bühne für das Gelingen der Aufführungen verantwortlich ist. Sie machen damit dem Publikum – also uns allen hier im Saal – und sich selbst ein besonders Geschenk zum heurigen runden Jubiläum. Dazu meine herzliche Gratulation und vor allem ein herzliches Dankeschön von meiner Seite: 40 Jahre Bestehen auf dem Event- und Kulturmarkt spricht für sich!

 

Werte Festgäste, ich möchte Sie an dieser Stelle gedanklich auf eine kurze Reise in das Jahr 1976 mitnehmen. Damals vor 40 Jahren, als vorausschauende und kreative Köpfe in Innsbruck die erste „Woche für Alte Musik“ veranstaltet haben, war unsere Welt eine andere. Vor 40 Jahren, 1976 war unser Europa ein Kontinent voller Grenzen: Am Brenner die Grenze zwischen Nord- und Südtirol. Im Osten Österreichs der Eiserne Vorhang, der ganz Europa teilte. An dem tausende Menschen ihr Leben in der Hoffnung auf Freiheit verloren haben. Unvorstellbar DAMALS der Gedanke, frei durch Europa zu reisen und in allen europäischen Ländern frei zu denken. Unvorstellbar HEUTE der Gedanke, dass wir uns diese Freiheit selbst wieder nehmen.
„Die Demokratie klingelt nicht, wenn sie geht“, diesen einprägenden Satz hat uns der Deutsche Altbundespräsident Christian Wulff beim 100. Deutschen Katholikentag heuer in Leipzig mitgegeben.
Die Demokratie wird nicht klingeln. Sie wird auch keine WhatsApp-Gruppe gründen und ihr Gehen auch nicht auf Twitter in die vernetzte Welt schreiben. Nein, sie verschwindet still und leise im Gepolter der politischen Populisten – in den USA, in Europa, in unseren Nachbarländern, in Österreich. Das Wesen der Demokratie ist, dass sie viele Schattierungen hat, das Wesen des Populismus ist, dass er für alles einfache Schwarz-Weiß-Antworten vorgaukelt. Das Perfide ist, dass die Demokratie mit den Mitteln der Demokratie abgeschafft wird, indem die Demokratie ad absurdum geführt wird:
Politik verkommt zum willenlosen Hinterherschwänzeln hinter der (vermeintlichen) Volksmeinung. Einfache Lösungen, so lautet die Losung: Ausgrenzung statt Integration, Egoismus statt Solidarität, Nationalismus statt Gemeinschaft, Grenzen statt Freiheit. Die vielgepriesenen Werte des Europäischen Abendlandes werden geopfert im Feuer des Populismus, geschürt durch Angst und Verunsicherung.
Die Folge ist fatal: Das Volk ruft nach einem starken Mann und der starke Mann erhört das Volk.
Und was bleibt zurück von den vermeintlich einfachen Lösungen des starken Mannes? Das zeigt uns die Geschichte, auch hier in Österreich, mehr als deutlich: Das Ende des starken Mannes ist ein Scherbenhaufen aus Tod, Vernichtung und Verderben.
Es ist höchste Zeit, das Pendel wieder umzuschwenken. Politik muss den Menschen Halt geben, nicht sie verunsichern. Damit die Menschen die Politik wieder wert schätzen können, muss sich aber zuallererst die Politik selbst wieder wert schätzen. Wir, die gewählten Volksvertreterinnen und Volksvertreter müssen uns bewusst machen, warum wir gewählt wurden: Nicht, um der Volksmeinung willenlos hinterher zu hecheln, sondern weil die Menschen auf unsere Entscheidungskompetenz vertraut haben. Weil sie sich auf unsere Entscheidungsfähigkeit verlassen wollen.

Ja, wir müssen Ängste wahrnehmen und dementsprechende Entscheidungen treffen. Aber nein, wir dürfen Ängste nicht schüren, indem wir sie für unseren eigenen Machtgewinn missbrauchen. Es geht nicht darum, den Menschen nach dem Mund zu reden, sondern es geht darum, hinzuhören, zu entscheiden und zu handeln. Nur so schafft die Politik Strukturen, die Orientierung geben und eine Gesellschaft in einer komplexen Umwelt wie der unseren zusammenhalten.
Die Kultur kann uns hier ein gutes Vorbild sein: Kunst und Kultur schafft es seit jeher zu verbinden und die Grenzen in unseren Köpfen abzubauen. Vielfalt zu leben und Lebensräume zu verschmelzen. Kulturminister Thomas Drozda drückte es bei der Eröffnung der heurigen Bregenzer Festspiele so aus: Wäre die EU nicht als Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, sondern als Gemeinschaft für Kultur und Gesellschaft gegründet worden – ihre Geschichte wäre ziemlich sicher eine andere.
Ich bin davon überzeugt, dass Kunst und Kultur ein zentraler Schlüssel zur Einheit und zur Integration sind. Deshalb ist es nie falsch, in Kultur zu investieren und Kunst zu fördern. Wir müssen uns kulturelle Großveranstaltungen wie die Festspiele in Salzburg und Bregenz leisten, wir müssen uns Festivals und Nachwuchsförderung leisten, wir müssen uns Museen, Theater und Opernhäuser leisten. Dafür braucht es keine Rechtfertigung. Eine Gesellschaft, der die Kultur nichts wert ist, verkommt zu einer kulturlosen Gesellschaft. Wenn Sie heute Abend neben dem Landestheater Mitten in Innsbruck die große Baustelle für das Haus der Musik sehen, so sehen Sie die Verwirklichung der Vision unserer viel zu früh verstorbenen Altbürgermeisterin Hilde Zach, die den verbindenden Wert der Kultur in seiner ganzen Tragweite erkannt und stets gefördert hat. 

Meine Damen und Herren Festgäste, genießen wir die heutige Eröffnungsfeierlichkeiten, die abendliche Festwochenopern-Premiere und alle musikalischen Momente, die die kommenden Wochen uns noch bescheren. Und vergessen wir dabei nie den alle Zeiten und Grenzen überschreitenden, einenden Wert der Kultur!