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Berg-Isel-Panorama
Berg-Isel-Panorama

Innsbruck vor 100 Jahren - Juli 1918

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Matthias Kapeller

01. Juli 1918
Bestrafter Uebermut. Am Freitag abends wollte ein achtjähriger Junge zu seinem „Vergnügen“ an der Ecke Anich-Theresienstraße auf die fahrende Straßenbahn springen. Er wurde aber vom Trittbrett hinausgeschleudert und blieb mit schwerer Gehirnerschütterung bewußtlos liegen. 

02. Juli 1918
Das Verbot des Rechnens mit Gulden und Kreuzern. Gestern waren es zehn Jahre, seitdem das Verbot, mit Gulden und Kreuzern zu rechnen, erlassen wurde, aber dennoch sind diese Begriffe so fest im Volksbewußtsein eingewurzelt, daß man noch heute vielfach, merkwürdigerweise auch jüngere Leute, mit dieser Währung rechnen hören kann.

03. Juli 1918
Schulvereinsversammlung. 
Die Ortsgruppe Hötting des Deutschen Schulvereines veranstaltet am 4. Juli, abends 8 Uhr, in Büchsenhausen eine Ortsgruppenversammlung, bei der Wanderlehrer P. aus Wien über die Ziele und bisherigen Erfolge deutscher Schulvereinsarbeit sprechen wird. Alle deutschen Frauen, Mädchen und Männer von Hötting und Innsbruck sind zu dieser Versammlung eingeladen.

Margarethenplatz gegen Rudolfstraße
Margarethenplatz gegen Rudolfstraße

04. Juli 1918
Gefährliche Schlafstelle. Gestern vormittags ist in einem hiesigen Volksbad ein 40jähriger Landstürmer allzulange in seiner Zelle verblieben; da alles Klopfen und Rufen der Bedienung nichts nützte, mußte die Türe geöffnet werden. Der Mann saß in seiner Wanne und schlief sehr gut; das Wasser reichte ihm nahe zum Mund. Nach dem Erwecken war er wieder ganz frisch.

05. Juli 1918
Wann kommen Frühkartoffel für Innsbruck? In Wien ist die Ausgabe von Frühkartoffeln bereits im Gange, es entfällt dort auf den Kopf eine Wochenmenge von einem halben Kilogramm. In Innsbruck und in den übrigen Orten Tirols ist die Ernährungslage derzeit völlig unhaltbar. An Kartoffeln der vorjährigen Ernte ist kein Kilogramm mehr in den Tiroler Städten aufzutreiben.

09. Juli 1918
Schwere Prüfungen. Nun ist auch das dritte und letzte Kind aus der Familie des Magistrats-Rechnungsrates S., die achtjährige Frieda, jener Krankheit erlegen, die so viel Unglück in diese schwer geprüfte Familie gebracht hat. Wie wir schon vor mehreren Tagen berichteten, handelt es sich um Ruhr, die wahrscheinlich durch eines der Kinder von unbekannt woher eingeschleppt worden ist. Der schwer geprüften Familie, die innerhalb dreier Wochen alle drei Kinder verlor, wird allseits Teilnahme entgegengebracht.

Meinhardstraße gegen Nordosten
Meinhardstraße gegen Nordosten

10. Juli 1918
Die Schuhreparatursaktion. Donnerstag den 11. Juli von 9 bis 12 Uhr werden Bezugscheine für größere Schuhreparaturen bei der Bedarfsprüfungsstelle Nr. 1, Meinhardstraße 12, ausgegeben.

12. Juli 1918
Das sündteure Innsbruck. Man schreibt uns: Korporal […] J. T. fuhr am 6. d. M. durch Innsbruck durch und nachdem er auf den nach Vorarlberg abgehenden Zug warten mußte, kehrte er in einem Gasthofe am Bahnhofplatze ein. Da ihm nach der langen Reise aus Südtirol nicht recht wohl war, ließ er sich ein Gläschen (Stamperl) Cognac geben; dies war jedoch so klein, daß er noch ein zweites zu sich nehmen mußte. Nun kam es zur Bezahlung dieser zwei Gläschen Cognac. Das Befinden des Mannes wurde nicht besser, als er vernahm, daß die zwei winzigen Gläschen Cognac 8 Kronen kosteten. Das ist unerhört!

15. Juli 1918
Die Abgabe von Säuglingsmilch in Innsbruck. Im Laufe dieses Monats eröffnet die städt. Milchversorgung in Innsbruck in der städt. Molkerei, Adamgasse, eine Abgabestelle für Säuglingsmilch. Anmeldungen werden in der Kanzlei Rudolfstraße Nr. 4, Stöckl, entgegengenommen. Beschränkungen sind vorbehalten. An heißen Tagen, und besonders bei Südwind, ist das Sauerwerden der Milch, welche weit überführt wird, nicht zu vermeiden. Die Milch kann noch süß schmecken und doch gerinnen. […] Die Verkaufsstellen sind beauftragt, verläßliche Milch in erster Linie auf Kinderkarten zuzustellen.

Blick auf das Schloss Büchsenhausen
Blick auf das Schloss Büchsenhausen

19. Juli 1918
Beim Milchanstehen sind gestern in der Innstraße zwei Frauen bewußtlos geworden. Eine hat Krämpfe bekommen, die andere blieb längere Zeit ohnmächtig, so daß Dr. H. die Rettungs-Abteilung zwecks Heimschaffung rief.

Einbruchsversuch. In die Tabaktrafik S. beim Gebäude des Berg-Isel-Panoramas versuchte gestern nachts ein Dieb einzubrechen; er sprengte von der Ladentür das Vorhängschloß ab. […] In jener Gegend ist den Dieben das Handwerk schon sehr leicht gemacht. Es brennt nämlich vom Ende Adolf-Pichler-Straße durch die ganze Allee bis über die Kettenbrücke hinunter keine einzige Laterne. Ebenso ist der Rennweg ab Löwenhaus, wo die letzte Laterne brennt, völlig finster, obwohl dieser mit großen Bäumen bestandene Weg zu stockfinsterer Nacht unheimlich ist.

Die Zerstörung der Innsbrucker Straßen. Derzeit müssen alle Lastautomobile mangels an Gummi mit Eisen bereift werden. Diese Eisenreifen schädigen die Straßendecke aufs schwerste. Es sollte daher alles geschehen, um überflüssige weitere Zerstörungen der Straßen, der Trambahnschienen, ja sogar der in die Straßen eingebetteten Gasleitungen hintanzuhalten.

Fassadenansicht vom Dom zu St. Jakob
Fassadenansicht vom Dom zu St. Jakob

25. Juli 1918
Vor 70 Jahren. Es sei hier einer denkwürdigen Begebenheit gedacht, die sich am Jakobstage, dem Patroziniumfeste der Innsbrucker Pfarrkirche, am 25. Juli des Jahres 1848 in Innsbruck ereignete. An diesem Tage wurde Erzherzog Franz Josef, der nachmalige Kaiser von Oesterreich, zugleich mit seinen Brüdern Ferdinand Max und Karl Ludwig in Innsbruck gefirmt.

Sturm auf die Feldfrüchte. Man schreibt uns aus Hötting: Der Hauptangriff auf die Feldfrüchte in der Gemeinde Hötting, besonders auf die Kartoffelfelder, hat bereits eingesetzt. Von Tag zu Tag mehren sich die Fälle von Zusammenstößen zwischen unserer sehr tüchtigen Flurwache und Dieben.

26. Juli 1918
Zerstörungswut. Aus der Anlage auf der Weiherburg haben zerstörungswütige, besinnungslose Menschen eine der Ruhebänke herausgerissen und diese in den nahen Bach geworfen. Dort liegt sie nun zertrümmert und unbrauchbar gemacht, ein vielsagendes Beispiel dafür, was die Zerstörungswut gewisser Leute unter dem Einfluß des Alkohols für Wirkungen zeitigt.