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Kindersichere vier Wände

Im eigenen Zuhause fühlt man sich naturgemäß am wohlsten. Bezogen auf die Sicherheit von Kindern ist dieses Gefühl jedoch trügerisch. Fast die Hälfte (46 Prozent) aller Unfälle von unter Fünfjährigen geschieht, laut dem Verband der Versicherungsunternehmen Österreich, im eigenen Heim. Einfache Maßnahmen minimieren die Gefahren.

Die Herdplatte, die aufregend rot leuchtet, das Putzmittel, das die Eltern immer gut verstecken oder die Kerzen, mit denen für eine gemütliche Atmosphäre gesorgt wird – in unbeobachteten Momenten können Alltagsgegenstände für Kinder schnell zur Gefahr werden. Doch in den eigenen vier Wänden lauert nicht nur das größte Unfallpotenzial, dort gibt es auch die besten Möglichkeiten brenzlige Situationen zu vermeiden. Mit Präventionsmaßnahmen wie Fenstersperren, Stockbettsicherungen, Treppenschutzgitter und Herdgitter können Risiken stark eingedämmt werden.

Leicht umsetzbare Tipps

Der erste Schritt, um Unfälle zu verhindern, ist Gefahren für Kinder zu erkennen. Denn bewusste wie auch unbewusste Gefahrenquellen lauern beinahe überall. Das eigene Zuhause auf gleicher Augenhöhe wie der Nachwuchs, also am besten auf den Knien, wahrzunehmen, ist für Erwachsene genauso einfach wie aufschlussreich. Generell ratsam ist es außerdem, den kleinen BewohnerInnen möglichst früh Gegenstände, Funktionsabläufe und Gefahren im Haushalt zu erklären. Dabei sollten die Kinder jedoch nicht verängstigt werden. Der Reiz des Verbotenen, wie etwa das Anzünden einer Kerze, kann ab einem gewissen Alter durch das gemeinsame Üben reduziert werden.

Küche

  • Ein Herdschutzgitter sowie Kindersicherungen für Ofentüren schützen vor Verbrennungen.
  • Mit der Montage von Schalterabdeckungen für Drehknöpfe am Herd wird dem unbemerkten Hantieren am Küchengerät entgegengewirkt. Dennoch sollten Töpfe und Pfannen nie unbeaufsichtigt stehen gelassen werden.
  • Kabel von Küchengeräten sollten immer an der wandseitigen Kante der Arbeitsplatte verlaufen und zusätzlich beim Gerät selbst aufgewickelt werden.
  • Werden Pfannenstiele nach hinten gedreht, befinden sich Gefahrenquellen außer Reichweite für Kinderhände.
  • Spätestens dann, wenn Kinder den Geschirrspüler öffnen können, ist es ratsam, Messer und Gabeln grundsätzlich mit dem scharfen bzw. spitzen Teil nach unten einzuordnen.
  • Dürfen Kinder beim Kochen und Backen mithelfen, sollten im Vorhinein Regeln aufgestellt werden. Wichtig ist, dass nur unter Aufsicht mitgeholfen werden darf.

 

Bad und Garten

  • Frei bewegliche elektrische Geräte wie Föhn oder Rasierapparat sollten während des Badens weggeräumt werden.
  • Um Verbrühungen zu vermeiden sollte die Wassertemperatur vor dem Baden mit Thermometer und Unterarm geprüft werden. Ein eingebautes Thermostat sorgt automatisch für die Temperaturbegrenzung.
  • Eine stabile Kinderbadewanne mit rutschsicherer Einlage gibt zusätzliche Sicherheit.
  • Da Kinder bereits bei einer Wassertiefe von wenigen Zentimetern lautlos ertrinken können, sollten sie sich nie unbeaufsichtigt in der Nähe von offenem Wasser (Badewanne, Pool, Biotop) aufhalten.
  • Offenes Wasser sollte deshalb immer mit einem Gitter abgesichert werden.

 

In der ganzen Wohnung

  • Vor allem in Kinderzimmern sollte ein Rauchmelder installiert sein. Generell ist er jedoch für alle Räume empfehlenswert. Er gibt Alarm, noch bevor sich ein Brand ausbreitet und kann so zum Lebensretter werden. Entsprechende Geräte können kostengünstig erworben werden.
  • Offenes Feuer, wie Kerzen, sowie elektrische Geräte (Wasserkocher, Bügeleisen) erfordern besondere Achtsamkeit. 
  • Um Vergiftungen unmöglich zu machen, sollten Medikamente und Putzmittel außerhalb der Reichweite von Kindern, beispielsweise in einem abgesperrten Schrank, aufbewahrt werden. Im Ernstfall ist unter der Notrufnummer der Vergiftungsinformationszentrale +43 1 406 43 43 rund um die Uhr toxikologisch geschultes Personal erreichbar.
  • Obwohl sie ein angenehmes Licht verbreiten, sollte auf sogenannte „Deckenfluter“ verzichtet werden. Beim Spielen können Kinder die Lampe etwa umwerfen oder decken sie mit bunten Tüchern oder Papier ab, wodurch es zum Brand kommen kann.
  • Abstürze werden doch das Anbringen von Sperren an Fenstern und Balkontüren vermieden. Beispielsweise verhindern einfach auszutauschende Riegel mit Schlüssel, dass der Griff in eine andere Position gedreht werden kann. Außerdem sollten sich bei Fenstern keine Aufstiegsmöglichkeiten wie Kommoden befinden.
  • Zusätzlich verhindert die Montage von Treppenschutzgittern Verletzungen. Beim Geländer ist auf die richtigen Abstände zu achten, ein Kinderkopf sollte nicht dazwischen passen. Diese Gefahrenquelle kann mit einem engmaschigen Netz beseitigt werden.
  • Da gerade Kleinkinder das Gleichgewicht mit Lauflernhilfen noch nicht halten können, sollte auf diese verzichtet werden. 
  • Um Kinder vor der lebensgefährlichen Erforschung des Phänomens „Strom“ abzuhalten, sollten Steckdosen mit Sicherheitsplättchen ausgestattet sein.
  • Kordeln, Stricke und Schnüre gehören in einem Haushalt mit Kleinkindern am besten verbannt, da gerne mit ihnen gespielt wird und die Gefahr des Erdrosselns besteht.
  • Teppiche können mit Anti-Rutsch-Streifen ausgestattet werden.
  • Ecken- und Kantenschutz an Möbeln minimieren das Verletzungspotenzial.
  • Regale sollten mit einem Kippschutz montiert werden.
  • Vor allem Fernseher sollten an Wand oder Tisch festgeschraubt werden, da sie besonders leicht herunterfallen können.
  • Türstopper und -bremsen schützen vor eingeklemmten Fingern.
  • Da Kinder große Glasflächen nicht wahrnehmen, sollten gläserne Türen, Tische sowie Spiegel aus Sicherheitsglas sein oder über eine entsprechende Schutzfolie verfügen.

 

Sollte es trotz aller Sicherheitsvorkehrungen zu einem Notfall kommen, sind richtiges Handeln und Erste-Hilfe-Kenntnisse gefragt. Erste-Hilfe-Kurse sowie spezielle Erste-Hilfe-Kindernotfallkurse sind empfehlenswert. Das Kursangebot des Österreichischen Roten Kreuzes ist unter www.roteskreuz.at unter dem Punkt „Kurse, Aus- & Weiterbildung“ zu finden. AA