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Besatzung/Bayern – vom 5. Bis 10. November 1918 in Innsbruck
Besatzung/Bayern – vom 5. Bis 10. November 1918 in Innsbruck

Innsbruck vor 100 Jahren - November 1918

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Julia Nocker

04. November 1918
Die Waffenstillstandsbedingungen. Das Heeresgruppenkommando von Tirol teilt mit: Von A.D.K. wird folgende Depesche ausgegeben: Die Waffenstillstands-Bedingungen der Entente wurden angenommen. Demgemäß sind alle Feindseligkeiten zu Lande und in der Luft sogleich einzustellen.

06. November 1918
Der irreguläre Jahrmarkt. Der Jahrmarkt in den Straßen Innsbrucks mit allen jenen vielen brauchbaren Dingen, welche die Automobilkolonnen mit sich über den Brenner schleppen, hat noch immer nicht den Höhepunkt erreicht, denn die Zahl der aus dem Süden kommenden Kraftwagen vermehrt sich stündlich; an allen Ecken und Enden stehen Automobile, tief verstaubt, verrattert bis zur Generalreparatur aber hoch und tief beladen.

07. November 1918
Die bayerischen Truppen in Tirol
: Die Bayern haben bereits gestern zwei Züge mit 80 vollbesetzten Waggons auf den Brenner dirigiert. Heute sind mehrere andere Züge mit Mannschaft und Kanonen und, wie wir erfahren, auch drei Panzerzüge gefolgt. Auch in Seefeld sind bereits bayerische Truppen eingerückt. Innsbruck soll heute besetzt werden.

Aufgegebenes Geschütz der k. und k. Armee in der Michael-Gaismair-Straße, November 1918
Aufgegebenes Geschütz der k. und k. Armee in der Michael-Gaismair-Straße, November 1918

08. November 1918
Die Abrüstung.
Die Truppenbeförderung und Abrüstung schreitet dank der außerordentlichen Tätigkeit der Bahnverwaltungen und ihrer Angestellten gut vorwärts. Während der Dauer der Abrüstung werden die Militärkommanden die nötigen Maßnahmen treffen, um die Truppenbeförderung mit möglichster Schonung der Zivilbevölkerung durchzuführen. Es liegt daher im eigensten Interesse aller Bevölkerungskreise, die Militärverwaltung und die einzelnen Kommanden hiebet möglichst zu unterstützen, ihre Autorität zu wahren und Rethungen mit militärischen Stellen tunlichst hintanzuhalten. Je besser Zivil- und Militärbehörden zusammenarbeiten, desto eher und umso glatter kann die gewaltige Truppenbewegung abgewickelt werden.

11. November 1918
Die Italiener in Tirol.
Regelung des Rückzuges der Unseren durch die Italiener. Gestern sind wieder große Züge mit heimreisenden Truppen aus Südtirol über den Brenner gefahren. Den Abtransport unserer Truppen organisierten in Südtirol nunmehr die Italiener. Sie halten die Truppen in den südtirolischen Tälern zurück, um ein regelloses Zuströmen nach Bozen, wo in den letzten Tagen eine große Stodung eintrat, zu verhindern und führen sie dann in größeren, jedoch nicht regellosen Abteilungen nach Bozen, von wo aus der glatte Abtransport über den Brenner erfolgt.

12. November 1918
Meldepflicht der heimkehrenden Soldaten:
Aus Wien wird uns mitgeteilt: Das in Liquidierung befindliche Kriegsministerium hat angeordnet, daß sämtliche Militärpersonen, jene des Hinterlandes sofort, jene der Armee im Felde nach Rückkehr in die Heimat, ihren vorgesetzten Kommandos zu melden haben, in welche der zu bildenden nationalen Armeen sie einzutreten wünschen. Das deutschösterreichische Staatsamt für Heerwesen teilt mit, daß nicht deutsche Offiziere in die deutschösterreichische Armee nicht aufgenommen werden.

14. November 1918
Die Lebensmittelversorgung Tirols.
Nationalrat Prof. Dr. M. Mayr ist gestern im Auftrage des Nationalrates neuerdings nach Bern abgereist um dort die Verhandlungen bezüglich Lieferung von Lebensmitteln ufm. fortzuführen. Nach einem gestern aus Bern eingelangten Telegramm steht die Angelegenheit sehr günstig.

15. November 1918
Die gestrige Volksversammlung
: die gestern von der sozialdemokratischen Partei in den Stadtsaal einberufene Volksversammlung war von Arbeitern, Bürgern und Soldaten stark besucht. Auch viele Frauen waren anwesend. Der Vorsitzende, Nationalratspräsident Holzhammer eröffnete kurz nach 8 Uhr mit einer kurzen Begrüßung und dem Hinweis auf den Zweck die Versammlung und erteilte dem Referenten, Nationalrat Rapoldi, das Wort zu seinem Bericht. Der Redner gedachte in ergreifenden Worten des Ablebens des großen Vorkämpfers und Begründers der österreichischen Sozialdemokratie, des Dr. Viktor Adler.

17. November 1918
Demokratische Freiheit:
Der Sieg des deutschen Freiheitsgedankens ist vom Bürgertum und den Vertretern der Bauernschaft mit aller Anteilnahme und voller Zustimmung begrüßt und gefördert worden.

Information an Innsbrucks Bevölkerung über die Besatzung der Landeshauptstadt durch die Italiener.
Information an Innsbrucks Bevölkerung über die Besatzung der Landeshauptstadt durch die Italiener.

21. November 1918
Besetzung von Innsbruck, Hall und Umgebung durch die Italiener.
 Innerhalb der letzten 14 Tage erschienen in Innsbruck fast täglich kleine Gruppen italienischer Offiziere; sie kamen in Kraftwagen vom Brenner herab und hatten verschiedene Angelegenheiten zu besorgen. Man hatte sich also in Innsbruck völlig an die Möglichkeit eines Waffenbesuches der Italiener gewöhnt. Nun kommt die Nachricht, daß eine größere Truppenmacht, rund 15.000 Mann, über den Brenner herabsteige, um die tirolische Landeshauptstadt zu besetzen, vorübergehend und vorläufig, wie es heißt, aber die Dauer des Aufenthaltes wird kaum zu bestimmen sein.

22. November 1918
Ausgabe von städtischem Papiergeld.
Um der Knappheit an Scheibemünze und an Banknoten, welche sich in der unangenehmsten Weise fühlbar macht, zu steuern, hat der Gemeinderat der Landeshauptstadt Innsbruck beschlossen, seitens der Stadtgemeinde Papiernotgeld auszugeben. In Ausführung dieses Gemeinderatsbeschlusses gelangen zur Ausgabe: Gutscheine zu 10 h und 20 h, Noten zu 1, 5, 10 und 20 K. Die Laufzeit dieses Papiergeldes ist vorläufig bis 31. Mai 1919 befristet. Die Stadtgemeinde behält sich jedoch eine Verlängerung dieser Laufzeit vor.

Italienische Besatzung – Einmarsch am 23. November 1918
Italienische Besatzung – Einmarsch am 23. November 1918

23. November 1918
Die Italiener im Bereiche Innsbrucks.
Die Italiener haben den Einzug in Innsbruck wieder um einen Tag verschoben. Im Laufe des gestrigen Tages marschierten die im Wipptale einquartierten Truppen alle von ihren bisherigen Garnisonsorten aus, dem Norden zu, auf der mit tiefem Staub bedeckten Brennerstraße gegen Innsbruck. Erst in den Nachmittagsstunden wurden die ersten Staffeln in der Schupfen sichtbar. Um die Mittagszeit erschienen als Vorläufer der Italiener – die Stärke ihrer Nordtiroler Besatzungstruppen wird von ihren eigenen Leuten auf 22.000 Mann geschätzt – einige Automobile am Sonnenburgerhofe oberhalb Innsbrucks, dort stiegen die Insassen, einige Offiziere, aus und machten einige photographische Aufnahmen von der Stadt Innsbruck; dann fuhren sie wieder in ihren Kraftwagen zur Truppe zurück. Bild 4

24. November 1918
Die Sicherung der Milchzufuhren.
Der Ernährungsausschuß im Tiroler Nationalrate hat neuerdings einen Antrag eingebracht, der die Erhöhung der Milchzufuhren für die größeren Städte und Industrieorte zum Zwecke hat, der aber gleichzeitig, um dieses Ziel zu erreichen, empfindliche Strafen für die nichtlieferungswilligen Produzenten vorsieht. Diese Maßnahme wurde nicht allein deshalb vorgeschlagen, um die Milch- und Molkereiproduzentenzufuhr in die größeren Konsumorte zu erhöhen, sondern hauptsächlich deshalb, weil aus den Kreisen der kleinen Produzenten vielfach geklagt wird, daß die großen Produzenten einerseits mit ihren Lieferungen weit im Rückstande sind und anderseits im Falle von Bestrafungen stets gewußt haben, sich der Strafe im Returswege zu entziehen.

27. November 1918
An die Studentenschaft der Universität.
Das Professorenkollegium im Vereine mit dem gemeinsamen Hochschulausschusse gründet eine Studentenmesse (Menia akademica), um es Hochschülern zu ermöglichen, ihre durch den langdauernden Krieg unterbrochenen Studien wieder fortzusetzen, zumal in einer Zeit, in der die Lebensmittelpreise eine ungeahnte Höhe erreicht haben, wodurch viele vielleicht in ihrer Studienfortsetzung einfach gehemmt werden dürften. Die Messe dürfte nach den Weihnachtsferien bestimmt eröffnet werden.

28. November 1918
Ein Zwischenfall in Innsbruck:
In der Kaserne der Reitenden Tiroler Landesschützen in Innsbruck, in der italienische Soldaten einquartiert sind, befand sich eine kleine Trikolore. Dieselbe wurde (wahrscheinlich) in der Nacht von Montag auf Dienstag) herabgerissen. Das italienische Kommando hat Genugtuung verlangt und wie wir hören, auch in gewünschter Form erhalten. Das italienische Kommando verlangte, daß zur Hissung einer neuen Fahne eine Abteilung der Volkswehr ausrücke und die Ehrenbezeigung leiste.