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Der Büchsenhausen-Stipendiat 2016 Vladislav Shapovalov (2. v.r.) mit Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Andrei Siclodi (Leiter des Künstlerhauses Büchsenhausen, 2. v.l.) und Natalie Pedevilla (Referatsleitung Bildende Kunst und Kulturprojekte, l.) bei der Übergabe.
Der Büchsenhausen-Stipendiat 2016 Vladislav Shapovalov (2. v.r.) mit Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Andrei Siclodi (Leiter des Künstlerhauses Büchsenhausen, 2. v.l.) und Natalie Pedevilla (Referatsleitung Bildende Kunst und Kulturprojekte, l.) bei der Übergabe.

Vladislav Shapovalov: Neuer Büchsenhausen-Stipendiat

Kunstförderung seitens der Stadt Innsbruck vergeben

Für das Jahr 2016/17 wurde Vladislav Shapovalov aus Russland mit seinem Projekt „Image Diplomacy“ als Stipendiat für das Künstlerhaus Büchsenhausen ausgewählt. Seit dem Jahr 2005 unterstützt das städtische Kulturamt dieses Fellowship-Programm auf Schloss Büchsenhausen jährlich mit 5.000 Euro.

„Ich freue mich, dass wir Ihnen den Aufenthalt in unserer Stadt ermöglichen können und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer weiteren künstlerischen Tätigkeit“, gratulierte Kulturreferentin Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer dem Künstler bei der Übergabe der Urkunde: „Die Kultur- und Bildungsstadt Innsbruck bietet für Ihre Arbeit ein ideales Pflaster. Sie finden hier Forschungseinrichtungen wie die Universität vor und können in den zahlreichen Kultureinrichtungen wichtige Kontakte für Ihr ganzes Leben knüpfen.“

Details zum Projekt 

In seinem Projekt „Image Diplomacy“ erforscht Shapovalov die spezifischen Funktionen des Bildes im System politischer Kultur. Es beabsichtigt, bestimmte historische Aspekte der Konstruktion des Politisch-Imaginären durch Ausstellungsstrategien und das Medium der Fotografie im 20. Jahrhundert zu beleuchten und mögliche Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen.

Die Investigation basiert auf den Materialien eines Archivs mit Sitz in Mailand, das Fotografien und Filme bewahrt, die von der 1925 in der UdSSR gegründeten „Allunionsgesellschaft für kulturelle Beziehungen mit dem Ausland“ an die Länder im Westen Europas geschickt wurden. Das Ziel dieser Intervention des „Sowjetischen Ausstellungskomplexes“ bestand darin, die sozialistische Moderne zu repräsentieren und ein positives und kontrolliertes Bild der UdSSR und des Lebens in der Sowjetunion während des Kalten Krieges zu vermitteln. Das Projekt will die Vergangenheit neu entdecken und vor dem Vergessen bewahren, allerdings nicht aus nostalgischen Gründen. Vielmehr sollen Perforationen in die im Westen etablierte Interpretation des 20. Jahrhunderts vorgenommen werden, um dadurch neue Perspektiven zu eröffnen, die einerseits eine kritische Neuaneignung dieses Erbes, andererseits aber auch Reflexionen über das derzeitige Zusammenspiel zwischen Bildern, Politik und Gesellschaft ermöglichen. In Büchsenhausen wird Shapovalov die laufende Untersuchung fortsetzen und ein „diskursives Labor“ einrichten, das auf die Produktion eines dokumentarischen Films ausgerichtet ist.

Zum Künstler

Vladislav Shapovalov wurde 1981 in Rostow-am-Don (Russland) geboren. Als Künstler und Forscher lebt und arbeitet er in Mailand und Moskau. Er war Mitglied der KünstlerInnengruppe Radek Community (1999-2007). Seit 2008 hat er als Einzelkünstler an Projekten gearbeitet, die sich vor allem mit der Neubewertung von Bildern, kulturellen Artefakten und der Konstruktion von Narrativen beschäftigt, die dazu dienen, geopolitische Konfigurationen zu konstruieren und zu analysieren. Zu seinen jüngsten Ausstellungen gehören „Atlas [of the ruins] of Europe“, kuratiert von Julia Morandeira Arrizabalaga und José Riello, „CentroCentro“, Madrid, 2016; „Fear. The Origin of the State“, kuratiert von Fedor Blašák und Christian Kobald, Nová synagóga / Kunsthalle Žilina, Slowakei, 2015; „The School of Kyiv, Biennale von Kiew“, kuratiert von Hedwig Saxenhuber und Georg Schollhammer, Kiew, 2015; „Sources Go Dark“, kuratiert von Valerio Borgonuovo und Silvia Franceschini, Futura Center for Contemporary Art, Prag, 2015. Mehr unter vladislavshapovalov.com

Büchsenhausen Fellowship

Seit dem Frühjahr 2003 findet das Internationale Fellowship-Programm für Kunst und Theorie im Künstlerhaus Büchsenhausen statt. Dem Programm liegt die Idee zugrunde, vor Ort einen Produktions- und Diskussionskontext zu bewirken, in dem KünstlerInnen und TheoretikerInnen überregionale Kunst- und Gesellschaftsdiskurse mit lokalen Themen in Zusammenhang bringen und reflektieren. Gleichzeitig wird die Möglichkeit eines künstlerischen Experimentierlabors gewahrt, wodurch Neues ausprobiert werden kann. Die von einer Fachjury ausgewählten „Fellows" kommen für einen Zeitraum von ein bis zwei Semestern nach Büchsenhausen, wo sie am eingereichten Projekt arbeiten und diesen Prozess in öffentlichen Veranstaltungen diskursiv begleiten.

Die Ausschreibung erfolgt direkt über das Künstlerhaus Büchsenhausen. Bildende KünstlerInnen, KritikerInnen, MedienkünstlerInnen, TheoretikerInnen und KuratorInnen können sich mit Projektvorschlägen während der ausgeschriebenen Einreichfrist direkt im Künstlerhaus Büchsenhausen bewerben. Eine Fachjury, gewählt vom Künstlerhaus Büchsenhausen, entscheidet anschließend über die Vergabe.